Unterschiedlicher könnten sie nicht sein: die drei Wohnungslosen in den Räumen des Sozialdienstes katholischer Männer und Frauen (SKFM) in Cloppenburg.
Da ist Pascal*. 52. Mit dem Fahrrad unterwegs. Und das seit 23 Jahren. Aber kein Stadtobdachloser sei er, wie er im Rahmen eines Besuches von Weihbischof Wilfried Theising und Caritasdirektor Dr. Gerhard Tepe mehrfach betont. „Der Asphalt ist mein zu Hause“, sagt er. Genauer: Der Straßenbelag in den Bundesländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Denn nur hier bewege er sich. Mit einem Notfallhandy im Gepäck.
Und darf für sieben Tage und Nächte in der ‚Übernachtungsstelle‘ des SKFM bleiben. „Den Kopf frei kriegen. Wäsche waschen“, erzählt er. Zweimal im Jahr komme er nach Cloppenburg ins „Haus 11“, wie es in der Szene heißt.
„Haus 11“ – die Cloppenburger Angebote für Wohnungslose in der Vahrener Straße haben einen guten Ruf, berichten Einrichtungsleiter Andre von Bloh-Lüschen und die pädagogische Mitarbeiterin Anna-Maria Reich.
Kleiner seien die Angebote des Cloppenburger Vereins im Vergleich zu großen Einrichtungen, in denen Wohnungslose Angst hätten, nachts beklaut zu werden. Oder Sorge, Gewalt zu erleiden. Im „Haus 11“, in dem es mittwochs ein gemeinsames Frühstück für alle Wohnungslosen gibt. Für die, die sich gerade in der Einrichtung aufhalten oder an sie angebunden sind. Dort, wo das Personal mit dem Krebskranken auch zum Arzt gehe. Dieses Familiäre schätzt auch Andre*.
Ende 20 ist er. Ein halbes Jahr habe er auf der Straße gelebt. Nur. Sechs Monate, die man ihm äußerlich nicht ansieht. Seit zwei Jahren lebt er beim SkFM in Cloppenburg. Mit dem klaren Ziel vor Augen, wieder eine eigene Wohnung zu finden. Und Arbeit. Cloppenburg ist für den Mann aus dem Münsterland, der auch schon in anderen Einrichtungen gelebt hat, ein „Geheimtipp“.
Und wieder anders ist Frank. Die Fingerkuppen vom Tabak tief gelb-orange verfärbt. Sei Vater habe ihn auf die Straße gesetzt, deutet er Bruchstücke aus seinem Leben an. 15 Jahre habe er in einer psychiatrischen Einrichtung in der Nähe gelebt. Sei dort aber vor Kurzem rausgeflogen, weil er wiederholt Drogen konsumiert habe.
Jetzt nutzt er den Tagesaufenthalt des SKFM. Das heißt, nachts schläft in einem Zelt, das er in einer ruhigen Straße der Kreisstadt aufgestellt habe. Wie es im Herbst und Winter weitergehe? „Keine Ahnung“, sagt er, der an einer Schizophrenie leidet.
Allen drei Männern gemeinsam: Sie haben ihre Bleibe verloren. Etwas, das sehr schnell und leicht gehen kann. Das weit Schwierigere: eine neue Wohnung zu finden. Zum einen müssen die Menschen von der Straße von Vermietern gewollt sein. Zum anderen müssen sie die Mieten in der Regel von ihrem Bürgergeld auch bezahlen können.
Genauso schwierig ist es für die rund 50 Männer und Frauen, die beim Caritas-Sozialwerk (CSW) im Vechtaer Dominikanerweg ihre Meldeadresse haben. Manche überschuldet, nicht krankenversichert, schildern Geschäftsführer Heribert Mählmann und sein Team. Alle über 18, mehr Männer als Frauen. Menschen, die aus der Haft entlassen wurden oder auf einem Campingplatz leben. Personen, die in der dortigen Beratungsstelle professionelle Unterstützung bekommen.
Außerdem bietet das CSW in Vechta zwei Übergangswohnungen an, die einen geschützten Raum bieten, damit die dort Wohnenden den Weg zurück in ein eigenständiges Leben finden, beschreibt Bereichsleiterin Birgit Stracke.
Ausdrücklich dankte Weihbischof Wilfried Theising allen im Feld der Wohnungslosenhilfe Tätigen. „Das ist ein so unmittelbarer Dienst am Nächsten, der durch nichts zu ersetzen ist!“ Weitere Infos unter www.skfm-cloppenburg.de und www.Caritas-Sozialwerk.de
*Namen geändert
